Weingut Lichtenberger & Gonzalez – Grüner Veltliner Edelbrunn (ehemalig Edelgraben) 2022
33,00 € inkl. MwSt.
Zwischen Schiefer und See
Kennengelernt habe ich Lichtenberger González im Jahr 2022. Ein Jahr später durfte ich dort meine erste Weinlese begleiten. Schnell wird klar, dass bei Adriana und Martin vieles anders gedacht wird. Kein lauter Naturwein-Kult. Kein kalkulierter Freak-Faktor. Sondern ein sehr ruhiger, fast demütiger Zugang zum Wein. 2009 entstehen die ersten 300 Flaschen im Familienweingut von Martins Eltern in Breitenbrunn. Von Beginn an steht fest: minimale Eingriffe, autochthone Rebsorten und maximale Transparenz der Herkunft. Die Weinberge rund um den Neusiedler See sind geprägt von kargem Muschelkalk, Schiefer und kalkreichen Mischböden. Genau diese Böden und das besondere Kleinklima am westlichen Seeufer geben den Weinen ihre salzige Spannung und stille Tiefe.
Grüner Veltliner ohne Klischees
Der Edel Brunn Grüner Veltliner 2022 hat mit lautem, pfeffrigem Veltliner-Klischee wenig zu tun. Die Trauben stammen von kargen Kalkschieferböden rund um Breitenbrunn und werden bewusst minimalistisch vinifiziert. Kurze Maischestandzeit, spontane Vergärung im Fass, langes Hefelager und Füllung weitgehend ohne Filtration. Insgesamt entstehen nur rund 1000 Flaschen. Der Wein lebt weniger von Primärfrucht als von Textur, Kräuterwürze und dieser leicht wilden, aber unglaublich präzisen Natural-Wine-Aromatik. Gerade das macht ihn so eigenständig. Kein stilisierter Orange Wine. Kein klassischer Veltliner. Sondern irgendwo dazwischen — und genau deshalb so spannend.
Fenchel, Salz und Spannung
Die Nase erinnert an Fenchelgrün, Kresse und gelben Apfel. Mit etwas Luft wird der Wein weicher und öffnet sich langsam Richtung Zitronenmelisse, weißem Pfeffer und leicht exotischen Nuancen von Papaya und Physalis. Am Gaumen verbindet sich cremige Hefetextur mit straffer Frische und feiner Phenolik. Nichts wirkt laut oder übertrieben. Stattdessen zieht sich eine salzige Mineralität durch den gesamten Wein. Das Finale bleibt kräutrig, leicht rauchig und vibrierend frisch. Ein Veltliner mit Ecken, aber gleichzeitig erstaunlicher Balance.
Für neugierige Gläser
Großartig zu geräucherter Forelle, gebratenem Fenchel oder einfach frischem Sauerteigbrot mit gesalzener Butter. Funktioniert genauso gut solo an langen Abenden mit Menschen, die gerne über Wein diskutieren. Unbedingt nicht zu kalt trinken — bei 11 bis 12 °C zeigt der Wein deutlich mehr Tiefe und Textur. Kein unkomplizierter Everybody’s Darling, sondern ein Wein für neugierige Gaumen. Und genau darin liegt seine Stärke.
Zusätzliche Informationen
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