Felix Walter – KRAWALTER – Chardonnay 2024
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Blind Richtung Burgund
Kennengelernt haben wir Felix Walter in einer geselligen Weinrunde in Geisenheim. Blind im Glas: Chardonnay. Die Runde war sich erstaunlich schnell einig. Irgendwo Burgund. Diese Mischung aus Reduktion, Salzigkeit und feiner Spannung wirkte komplett unaufgeregt und gleichzeitig unglaublich präzise. Und dann kam der eigentliche Moment des Staunens. Das ist einer der ersten eigenen Weine von Felix Walter alias KRAWALTER! Deutschland statt Frankreich. Franken statt Burgund. Entstanden aus zwei gebrauchten Barriques und einer ziemlich kompromisslosen Idee davon, wie Chardonnay schmecken soll. Felix lernte bei Künstler, Bernhard Huber und später bei Chanterêves im Burgund. Genau dort entwickelte sich diese burgundische Haltung, die heute seine Handschrift prägt: wenig Eingriff, viel Herkunft und keinerlei Lust auf gefälligen Mainstream.
Chardonnay mit Spannung
Der Chardonnay 2024 stammt aus der Bürgstadter Lage „Im Stübchen“ im Centgrafenberg und ist mit einem burgundischen Chardonnay-Klon bepflanzt. Die Trauben werden selektiv von Hand gelesen, vorsichtig mit den Füßen angequetscht und anschließend stundenlang in der Korbpresse sanft abgepresst. Vergoren wird spontan und trüb im gebrauchten Holzfass. Danach folgt spontaner biologischer Säureabbau, zwölf Monate Ausbau im Barrique und weitere acht Monate Vollhefelager im Edelstahl. Filtration? Fehlanzeige. Schwefel gibt es minimal und erst kurz vor der Füllung. Der 2024er wirkt noch fokussierter und energetischer als der ohnehin bereits gefeierte Erstlingsjahrgang 2022. Weniger Opulenz, mehr Spannung. Eher Jura als Kalifornien. Eher Chanterêves als lauter Holz-Chardonnay.
Kreide, Reduktion, Energie
Die Nase zeigt Amalfi-Zitrone, Zitruszeste und weißen Pfirsich, dazu Kräuter, Rauch und eine feine reduktive Spannung. Mit Luft kommen Salzzitrone, Pfeffer und zerstoßene Kreide dazu. Kein vordergründiger Frucht-Chardonnay, sondern ein Wein mit Struktur und Tiefgang. Am Gaumen dicht und gleichzeitig vibrierend frisch. Der Holzeinsatz bleibt vollkommen integriert und trägt eher Textur als Aroma bei. Die Säure zieht sich präzise und kühl durch den Wein, während der lange Nachhall salzig, kräutrig und fast kalkig wirkt. Gar nicht so viel KRAWALL. Eher Ruhe, Ernsthaftigkeit und beeindruckende Präzision.
Chardonnay für große Gläser
Unbedingt mit Luft trinken. Dieser Chardonnay öffnet sich langsam und gewinnt mit jeder Minute an Tiefe. Großartig zu Steinbutt, Geflügel mit Beurre Blanc oder einfach einem Stück gut gereiftem Comté. Funktioniert aber genauso gut solo an langen Abenden mit Menschen, die gerne über Wein diskutieren. Ideale Trinktemperatur: 11–12 °C. Großes Burgunderglas Pflicht. Jetzt schon faszinierend, mit Potenzial für viele weitere Jahre Kellerreife.
Zusätzliche Informationen
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